Franghiz Ali-Zadeh

wurde 1947 in Baku, der Hauptstadt von Aserbeidschan, geboren, studierte am dortigen Konservatorium Klavier und, bei Kara Karajew, Komposition. Als Pianistin setzte sie sich schon früh nachdrücklich für zeitgenössische Musik ein und führte in ihrer Heimatstadt neben zahlreichen sowjetischen Komponisten auch erstmals Schönberg, Berg und Webern, Messiaen, Cage und Crumb auf. Ihren Durchbruch als Komponistin erlebte sie mit dem Stück „Habil-sajahi” für Violoncello und präpariertes Klavier (1979), in welchem sie sich intensiver als je vorher mit der Musiktradition ihrer Heimat auseinandersetzte, und das sie auf Wunsch des Kronos Quartetts als Paraphrase „Mugam sajahi” für Streichquartett bearbeitete.

Das Komponieren ist für Frangis Ali-Sade kein Vorgang des Erfindens oder Konstruierens. Sie hat die Vorstellung, einen musikalischen Raum zu betreten: „Ich komme von weit her, tauche in ihn ein, deshalb ist meine Musik am Anfang auch ganz leise. Als ob die Musik schon klingen und ich nur in sie hinein steigen würde. Dann durchschreite ich den Raum und verschwinde wieder. Jedes Werk hat für mich einen solchen musikalischen Raum, den ich höre und empfinde. In diesem Sinne komponiere ich weniger, als dass ich etwas errate oder erfühle.”

Es sei ein sehr natürlicher Wunsch von ihr gewesen, ihren künstlerischen Weg zwischen Europa und der traditionellen aserbeidschanischen Kunstmusik, dem Mugam, zu suchen. Sie hat einerseits die an Konservatorien übliche westliche Bildung genossen, andererseits hörte sie von frühester Kindheit an die eigene, nationale Musik, die am Rundfunk täglich präsent war. „Sie ist uns sehr nah und entspricht unseren Gefühlen. Jeder Musiker hat unter diesen Umständen das Bedürfnis, die beiden Richtungen zu verbinden, gleichgültig, ob er aus Japan, China oder Vietnam stammt. Als Mensch des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts habe ich das Anliegen, zu sammeln, zu bündeln, die verschiedenen zusammenzuführen. Es geht dabei nicht um ein Gegenüberstellen und Kontrastieren, sondern darum, einen Weg der gegenseitigen Befruchtung zu finden.”

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