Marcelle de Manziarly wurde am 13.Oktober 1899 als Kind französisch-russischer Eltern in Charkow, Rußland, geboren. Ihre Eltern wanderten, wie viele Russen ihrer Generation, nach Paris aus, wo Marcelle als Studentin zu Nadia Boulanger ging (1911). Später belegte sie einen Dirigierkurs bei Felix Weingartner in Basel (1930) und ließ sich in der Klavierklasse von Isabella Vengerova in New York (1943) ausbilden. In den USA trat sie mehrfach als Pianistin und Dirigentin auf. Ihr eigenes Klavierkonzert spielte sie unter Alfredo Casella 1933 beim Festival der Neuen Musik mit dem Concertgebouw Orchester. Ihre „Sonate pour Notre Dame“ schrieb sie zur Befreiung der französischen Hauptstadt von den deutschen Nationalsozialisten (1944). Anläßlich einer Indienreise machte sie die Bekanntschaft von Rabindranath Tagore und öffnete sich musikalisch indischen Tonleitern- und Systemen. Die Beschäftigung mit der Tonalität und ihren Grenzen führte u.a. zu tetratonalen Kompositionen (Sonate für 2 Klaviere 1946). Marcelle de Manziarly lehrte und arbeitete teilweise in Paris und in New York. Sie gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen neuer Musik nach Nadia Boulanger, und ihre Kammermusik wird heute wieder entdeckt. Die Komponistin verstarb am 12.Mai 1989 in Ojai, California. (Quelle. A.Olivier: Komponistinnen aus 800 Jahren, Verlag Sequentia 1996) |